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Tagung: "Römer zu Wasser"

Am 5. Oktober 2019 fand im Altmühlsee-Informationszentrum die Tagung „Römer zu Wasser“ statt. Christa Naaß, Stellevertreterin des Bezirkstagspräsidenten, begrüßte die Teilnehmer der Veranstaltung, die von der Limesfachberatung des Bezirks Mittelfranken ausgerichtet wurde. Seit 2010 finden diese Römerveranstaltungen mit wechselnden Themen unter reger Anteilnahme zahlreicher Römer-Interessierten aus dem näheren und weiteren Umland statt. Prof. Sommer vom Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Matthias Pausch vom Limeseum und der Abgeordnete Manuel Westpahl gehörten ebenso zum Publikum wie insgesamt fünf Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden. Dieter Rampe, Bürgermeister der Gemeinde Muhr am See, begrüßte die Teilnehmer und wies darauf hin, dass der See nicht nur für Segler und Wassersportbegeisterte ein attraktives Ziel ist, sondern auch für Vogelkundler ein wichtiger Beobachtungsplatz mit ausgedehntem Schutzgebiet. Als römische Umrahmung waren einige Kollegen von der Bataver-Kohorte mit von der Partie.

Der erste Fachvortrag von Dr. Timm Weski konzentrierte sich darauf zu vermitteln, welche Details beim Nachbau eines römischen Schiffes über die vorhandenen Fundstücke hinaus erarbeitet werden müssen, um ein funktionstüchtiges, seetüchtiges Fahrzeug zu bauen. Aus den Funden von Oberstimmsind lässt sich die Konstruktion nur so weit ablesen, wie die Fundstücke erhalten sind, und das ist nicht weiter als bis zur Bordkante. Für die Aufbauten, aber auch die Inneneinrichtung und erst recht für die Besegelung fehlen die Fundstücke.  Mosaike, Reliefs und andere Abbildungen von Schiffen bergen immer die Gefahr künstlerischer Freiheit, und dann werden Details nachgebaut, die zwar dem Kunstwerk entsprechen aber nicht dem Original.

Im zweiten Vortrag ging Prof. Dr. Boris Dreyer von der Universität Erlangen auf weitere Details der Rekonstruktion ein. Die Riemenaufhängung ist so originalgetreu wie möglich und muss doch praxistauglich ausgeführt werden. An den Funden ist keine Farbe mehr, daher wurde der Anstrich nach Rezeptur von Plinius hergestellt, erweist sich aber an heißen Sommertagen als zu weich. Die Abmessungen der Riemen können z.B. auch nicht an Originalfunden bestimmt werden. Empfehlenswert ist der Blick in die Schiffsbauliteratur des 19. Jahrhunderts: Was damals in Büchern festgehalten wurde, kann zwar nicht den Anspruch römischer Originalliteratur erheben, ist aber sicher näher an der realen Praxis als so manche antike literarische Quelle, die oft von Nicht-Fachleuten geschrieben wurde.

Der Altmühlsee ist ein Stausee, der erst 1985 mit Wasser gefüllt wurde. Römische Boote können also auf dem See niemals gefahren sein. Trotzdem war der See heuer das Revier des Nachbaus der Universität Erlangen, mit dem die Teilnehmer der Tagung dann insgesamt drei Fahrten unternehmen konnten. Die F A N, FRIEDERICIANA ALEXANDRINA NAVIS, ist ca. 16m lang, 2,7m breit und hat 2,2 Tonnen Verdrängung. Mit ein wenig Rückenwind erreichte das zweite Team 3,9 Knoten Geschwindigkeit. Eine geübte römische Mannschaft könnte 6 bis 7 Knoten Dauerleistung geschafft haben.

Herzlicher Dank gebührt dem Organisationsteam unter der bewährten Leitung der Limes-Fachberaterin des Bezirks Mittelfranken, Frau Andrea May M.A. Der Tag fand im Seezentrum Schlungenhof seinen Ausklang und hat allen Teilnehmern und vor allem den Ruderern ein einzigartiges Erlebnis beschert.

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